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Mutter Kind Kur: das solltest du wissen


Du bist total erschöpft, überfordert und es läuft mit der Erziehung nicht so rund. Jetzt denkst du über eine Mutter-Kind-Kur nach. Hier erfährst du, worauf du achten solltest und welche Wege es gibt, wenn der Antrag dann nicht genehmigt wird.


Dauerstress abbauen, entspannen, sofa

Mutter Kind Kur - was du wissen solltest


Was ist das?

Das ist eine Kur, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Du nimmst dein(e) Kind(er) mit. Das Hauptziel der Kur ist, dass du eine Pause vom Alltag machst und lernst, besser mit dem Stress umzugehen. So eine Kur geht 3 Wochen lang.



Für wen ist eine Mutter-Kind-Kur gedacht?

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Mütter diese Kur beantragen und welche Probleme sie oder die Kinder haben. Hier sind ein paar:

  • Für Mütter, die gestresst und mit dem Alltag überfordert sind

  • Für Mütter mit Kindern, die eine Behinderung haben

  • Für Mütter oder Kinder, die Haut- oder Lungenprobleme haben

  • Für Mütter, die unter Schlafstörung, Angststörung, Migräne, Magen-Darm, Herz-Kreislauf oder starke Erschöpfung leiden.



Wie bucht man diese Kur?

  • Eine Mutter-Kinder-Kur muss man über den Hausarzt mit einer Indikation bei der Krankenkasse beantragen. Du musst deine Kur-ziele definieren - also was du mit dem Aufenthalt erreichen möchtest.

  • Kinder brauchen auch einen Attest vom Kinderarzt. Wenn du noch speziale Therapien haben möchtest für Rückenschmerzen zum Beispiel, muss noch ein Attest von einem Facharzt her.

  • Die Krankenkasse genehmigt es dann hoffentlich, damit du innerhalb der nächsten 6 Monate in die Kur reisen kannst.

  • Du suchst nach Kurkliniken und schaust, ob es Platz gibt



 

3 Wochen weg - lohnt sich der Aufwand?

Das ist individuell unterschiedlich. Aus Sicht der Krankenkassen scheint es sich zu lohnen, denn sie investieren fleißig. Ich kenne einige Mütter, die es wirklich genossen haben, aber auch einige andere, die keine gute Erfahrung gemacht haben.


Ich bin selbst ausgebildete Präventologin und finde es toll, das in Deutschland den Müttern (und Vätern) so etwas Tolles angeboten wird. Aber nicht alle Programme sind für jeden geeignet und auch dieses Programm hat einen großen Nachteil - die Nachhaltigkeit.


"Während 62 % der Teilnehmer einer Mutter-Kind-Kur unmittelbar nach der Maßnahme ihren Gesundheitszustand als "gut" bis "sehr gut" bewerten, waren es 1-2 Jahre später nur noch 20 %" (Ergebnis einer aktuellen Studie der hkk Krankenkasse)



 

Die größten Nachteile einer Mutter-Kind-Kur

Einigen Müttern tut diese kurze Verschnaufpause sehr gut. Es geht aber nicht allen so und es gibt verschiedenes, was mir dabei auffällt:

  • Vor dem Antrag einer Kur bringen manche Mütter ihre Psyche - oft unbewusst - zum tiefsten Punkt, damit der Arzt und Familie einsieht, dass sie eine Auszeit brauchen. Sie denken, dass eine Kur der einzige Weg ist - merken aber nicht, dass sie sich dadurch noch tiefer in die Depression und Überforderung bringen.

  • Eine Kur hat oft den Effekt eines Urlaubes. Wenn man da ist, gehts besser - ist man wieder zu Hause, wirds wieder schlechter

  • Du musst einiges vorbereiten und organisieren für die Reise - wie zum Beispiel die Erlaubnis der Schule, wenn das Kind ein paar Tage/Wochen fehlen muss, Koffer packen, Erlaubnis vom Arbeitgeber bekommen und so weiter...

  • Wenn du Schulkinder hast, musst du während oder nach der Kur oft viel Schularbeit mit deinem Kind nachholen - mich würde nur dieser Punkt schon total stressen.

  • Mütter haben sehr oft falsche Erwartungen, was so eine Kur bringen wird. Sie denken: "danach wird alles besser und sie werden mein Problem lösen"

  • Einige Mütter sehen die Kur als Wellnessurlaub - und lernen dann nicht viel für sich selbst und ihre Beziehung zu den Kindern. Auch einer der Nachteile, wenn Krankenkassen alles bezahlen - die Menschen nehmen das Programm dann nicht sehr ernst.

  • Der Aufenthalt ist komplett durchstrukturiert. Wer keine Planung mag und eher spontaner in den Tag lebt, wird damit wohl nicht sehr gut klar kommen. Manchen Müttern gibt das Sicherheit, anderen kann das noch mehr stressen.

  • Die Mutter lernt einiges in den Seminaren, aber das Kind nicht! Die Kinder werden beschäftigt und machen Sport, lernen aber nicht zusammen mit der Mutter. Wäre ja viel besser, wenn sie die Probleme zusammen lösen lernen. Wie eine Supernanny, die zu einem nach Hause kommt und direkt sehen kann, woran es hackt.

  • Ihre (Ehe)Partner haben nicht die Chance, diesen Entwicklungsprozess mitzuerleben. Somit kommen oft Mütter voller Motivation nach Hause und der Partner reagiert irritiert mit den neuen Regeln, Zeitplänen und mentale Einstellung. Es gibt einige Partner, die nach der Rückkehr, hohe Erwartungen haben - "Du warst doch in Kur, warum bist du wieder gestresst?"

  • In der Kur wird die Wohnraumgestaltung nicht angesprochen. Viele wundern sich dann, wenn sie wieder zu Hause sind - dass es mit den guten Vorsätzen nicht klappen möchte. Das Programm beschränkt sich hauptsächlich auf Sport und Therapiegespräche.



Mutter Kind Kur Erfahrungen - das berichten andere Mütter

  • Sie hat ihre Kur nach nur 5 Tagen abgebrochen, weil es ihr nicht so bewusst war, dass ihr Kind täglich und ohne Eingewöhnung, in die fremde Kinderbetreuung musste - (Laura Dieckmann)

  • "Was ich eigentlich gebraucht hätte, ein paar Stunden am Tag ohne Kinder, war kaum möglich. Besonders dumm war, dass die Mahlzeiten alle gemeinsam eingenommen wurden. Also musste ich mich wie zuhause auch um die beiden am Tisch kümmern" (Tai, Rund ums Baby Forum)

  • "Ich war vor Kurzem zur Kur und dort war es für einige Mütter super und andere mussten ihre Anwendung abbrechen, da die Kinder nur geweint haben" (Nadine, Rund ums Baby Forum)

  • "Es muss dir klar sein, dass euer kompletter Tagesrhythmus nicht nach euch läuft. Essen fand ich megaanstrengend und schlafen wirst du und die Kleine eher noch schlechter als besser" (Akira, Rund ums Baby Forum)


Die meisten brauchen eine Mutter-OHNE-Kind-Kur. Sie brauchen eine Pause vom "alles 2x sagen", Einkaufen, Kochen und Putzen.

 


Einen Fehler, den die meisten nach der Kur machen


Der positive Effekt der Kur verpufft - denn Mütter holen sich keine weitere professionelle Betreuung

Drei Wochen Kur sind eine gute Zeit, um abzuschalten, Energie aufzutanken und Neues zu lernen. Drei Wochen sind aber längst nicht genug, um die neuen Ziele und Verhaltensänderungen so gut zu verinnerlichen, dass das Leben wieder supereasy läuft. Kaum ist man zurück, holt der Alltag einen wieder ein und die guten Ideen und Vorsätze gehen flöten.


Investiere in die Zeit nach der Kur. Hol dir jemanden der dich noch einige Monate begleitet und hilft, das Gelernte im echten Alltag anzuwenden. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Du hältst Kontakt zum Therapeuten der Kurklinik. Es gibt einige, die das anbieten. Auf jeden Fall nachfragen!

  2. Du suchst dir deine eigene Präventologin. Hier findest du alle offiziell geprüften Präventologen in Deutschland. (ich bin da auch eingetragen)


 

Warum es wichtig ist, auch zu Hause weiter an dir zu arbeiten

Weg rennen und vom Alltag flüchten, ist leicht - löst aber nicht das Problem. Was du brauchst, ist jemand, der dir Vorort in den Krisensituationen hilft. Zwei Gründe, warum es wichtig ist, zu Hause deine Probleme zu lösen:

  1. Daheim ist der Ort, wo die Überforderung angefangen hat - und daheim wird der Ort sein, wo Stress noch einige Jahre existieren wird. Deshalb wäre es viel bessern, wenn du Wege lernst, dein Problem, da wo es ist, zu lösen.

  2. Neues Verhalten ist viel leichter umzusetzen, wenn man es dort lernt, wo es gebraucht wird. Wenn du nicht genau in diesem Ort lernst, mit Stress und Chaos umzugehen, wirst du höchstwahrscheinlich nach der Kur wieder in alte Verhaltensmuster fallen.


 

Nicht sicher, wie du dich entscheiden sollst?

Wenn du etwas in deinem Leben verändern möchtest, hast du drei verschiedene Optionen.

  1. Du machst eine Kur nur für dich - meistens entspannt man viel schneller ohne Kinder. Wenn es deinen Kindern gut geht, es eher um dich geht und eine Betreuung gut organisiert werden kann, würde ich auf jeden Fall alleine in die Kur gehen. Die Frage ist, ob du wirklich 3 Wochen brauchst. Vielen ist das doch zu lang. Lass dich von deinem Arzt beraten und folge deinem Bauchgefühl

  2. Du machst die Mutter-Kind-Kur - da du jetzt auch die Nachteile kennst, nutze die Information, die ich dir oben beschrieben habe, um dich vorzubereiten, deine Erwartungen realistisch zu halten und das beste aus der Kur zu machen.

  3. Du gehst nicht in die Kur, sondern holst dir direkt eine Präventologin - Du lernst direkt bei dir zu Hause, wie du aus eigener Kraft dein Leben wieder in den Griff bekommen kannst. Diese Option hat auch sehr viele Vorteile:

    • du bringst die ganze Familie nicht aus der Routine - was gerade mit Kleinkindern so stressig sein kann

    • du fügst mit der ganzen Organisation und Reisevorbereitung nicht noch mehr Stress und To-Do's in deinen Alltag

    • dein Partner kann hautnah miterleben und lernen - so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass er dann auch Veränderungen mitträgt

    • du musst dich nicht krank schreiben lassen

    • du lernst nicht in einer Gruppe, sondern hast direkt maßgeschneiderte Lösungen für deine spezielle Familiensituation und gesundheitlichen Problemen

    • du findest Lösungen, wie du Sport und Wellness in dein Alltag und in deiner Stadt integrieren kannst.



 


Wenn der Mutter-Kind-Kur-Antrag abgelehnt wird



Das kann passieren - ist aber kein Weltuntergang!

Es gibt nämlich andere Dinge die du machen kannst, damit es dir schnell besser geht.


Hier sind 9 Tipps:

  1. Ein Kur-Ort einfach als Urlaubsgast buchen. Viele Kur Orte sind auch Hotels für Touristen. Buch das doch einfach und vernetz dich dort mit den Gästen

  2. Lachyoga machen. Diese Trainerin kenne ich persönlich, und kann Inge nur herzlichst empfehlen

  3. BreathWalk Kurs buchen. Das ist eine ganz tolle Therapie die sogar schmerzen lindern kann. Hier kannst du Trainer finden

  4. Hol dir eine Präventologin: darüber habe ich oben schon geschrieben.

  5. Investiere in eine Putzfrau die öfters kommen kann und gebe ihr die Aufgaben ab, die dich am meisten nerven

  6. Plane fürs ganze Jahr, 1x die Woche eine Wellness-stunde. Es muss nichts aufwändiges oder teueres sein, es reicht alleine mal im Park spazieren gehen

  7. Frage eine befreundete Mutter, ob dein Kind 1x im Monat bei ihr nach der Kita/ Schule spielen und Abendessen kann. Erkläre ihr, dass du kurz vor dem Burnout bist, und die nächsten 5 Monate etwas Hilfe brauchst. Biete es ihr dann nach den 5 Monaten auch an, falls es ihr auch nicht gut geht

  8. Ehrenamtliche Familienpatin. Das bietet die Caritas an - lass dich dort mal beraten.

  9. Vom Partner Hilfe bekommen. Sage ihm nicht was er tun soll, sondern frage ihn lieber: "Schatz, wie und wo kannst du mir konkret dieses Jahr, ab sofort helfen?". Nehme jede Hilfe dankbar an!

  10. Alleine, eine Woche weg fahren. Das klingt erst mal für die ganze Familie blöd, aber bevor du komplett durch drehst, nehme dir unbedingt diese Auszeit! Vielleicht gibt es eine Freundin die du mal besuchen könntest? Ein Bauernhof der Hilfe braucht? (hier machst du einfach etwas anderes und kommst in die Natur)




FAZIT:

  • wenn es dir nicht gut geht, warte nicht zu lange um Hilfe zu holen

  • wenn die Hilfe zu lange dauert, werde selbst aktiv und gehe einen anderen Weg

  • suche die Lösung aus, die für dich und deine Familie am besten passt

  • denke nicht, dass deine Probleme innerhalb von 3 Wochen verschwinden

  • wenn du in die Kur gehst, besorge dir eine gute Begleitung für die Zeit danach




Die Autorin: Katia Steilemann ist Raumexpertin, Mental Coach und Präventologin. Sie zeigt, wie wir mehr aus unserem Zuhause machen – damit wir dort Kraft für unseren Alltag tanken können. Ihre Tipps sind bekannt im RTL, WDR, SAT1.




Photo credits: Wix.com

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